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Facettennavigation optimieren: 7 Tipps für bessere Filter im Online-Shop

Jeder kennt sie, jeder nutzt sie, so gut wie jeder Shop bietet sie: Filter sind eines der wichtigsten Hilfsmittel für Online-Shopper. Gut umgesetzt stellen sie sicher, dass sich Kunden intuitiv zurechtfinden – selbst in Ergebnis-Listen mit hunderten oder tausenden Produkten. Doch in so manchem Shop ist die sogenannte Facettennavigation alles andere als einfach zu bedienen. Zum Beispiel, wenn Filter mehrfach auftauchen, die Reihenfolge chaotisch ist oder einfach zu viele Filteroptionen auf einmal erscheinen. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du es besser machst und dadurch sowohl die Conversion-Rate als auch die Verweildauer steigerst.

Was ist eine Facettennavigation?

Die Bezeichnung Facettennavigation bzw. Facettensuche geht auf die Facettenklassifikation zurück. Bei diesem Klassifikationssystem werden Objekte – in unserem Fall Produkteigenschaften – nicht anhand einer starren, hierarchischen Baumstruktur eingeteilt (wie bei Kategorien), sondern anhand von kombinierbaren Klassen.

Das ermöglicht es, Ergebnislisten flexibel nach Perspektiven, also Facetten, einzugrenzen – zum Beispiel Marke, Farbe, Größe oder Preis. Jede Facette beinhaltet dann die jeweiligen konkreten Ausprägungen (blau, Größe 43, 39€, …), die als Filter erscheinen und geklickt werden können.

1. Vereinheitliche deine Produktdaten

Dieser Tipp steht nicht ohne Grund an allererster Stelle. Denn die Facettennavigation wird aus den Produktdaten heraus gebildet. Das heißt, je strukturierter und gepflegter die zugrunde liegenden Daten sind, desto besser sind auch die Filter im Frontend.

In der Realität sind gute Produktdaten aber alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Häufig finden sich die Ursachen uneinheitlicher Daten – und damit redundanter Filter – bereits bei den Lieferanten:

Wenn es um die Beschreibung ihrer Produkte geht, überbieten sich Hersteller gegenseitig mit kreativen Einfällen. So werden aus Standard-Benennungen wie „Rot“ und „Blau“ wohlklingende Neuschöpfungen wie „Volcano“ und „Deep Ocean“. Zugegeben: Die Fantasienamen klingen tatsächlich wertiger. Doch als Händler möchte man pro Grundfarbe möglichst nur einen Filter haben. Auch Größenangaben in Zoll und Zentimeter oder uneinheitliche Abkürzungen verschlechtern die Übersichtlichkeit der Facettennavigation.

Facettennavigation - Farbfilter sind häufig redundant

Redundante und unübersichtliche Filterliste. Im Online-Shop genügt in der Regel ein Filter pro Grundfarbe.

Eine einheitliche und übersichtliche Filterliste erreichst du, indem du deine Produktdaten normalisierst. Dabei werden die inkonsistenten Schreibweisen in den Merkmalsfeldern – zum Beispiel 230V vs. 230 V oder Alu vs. Aluminium – vereinheitlicht. Hinsichtlich des Beispiels der Farben empfehle ich dir jedoch, die standardisierte Bezeichnung zusätzlich in das Filter-relevante Feld deines Datenfeeds zu schreiben. Im Feld der Produktbeschreibung kannst du die schönen Fantasienamen dann stehen lassen.

Facettennavigation - Tabelle mit Beispielen von Normalisierungen

Um zu vermeiden, dass sich Filterattribute inhaltlich wiederholen, solltest du deine Produktdaten vereinheitlichen.

Mehr über das Thema Produktdaten-Optimierung für Online-Shops liest du hier:

2. Schaffe mehr Übersichtlichkeit durch logische Abhängigkeiten

Insbesondere in breit gefächerten Sortimenten können voneinander abhängige Facetten die Nutzerfreundlichkeit deutlich verbessern. Damit meine ich, dass bestimmte Facetten erst dann angezeigt werden, wenn bereits eine Vorauswahl getroffen wurde.

Denkbar ist das zum Beispiel im Kosmetikshop: Wenn jemand nach „armani“ sucht, ist noch nicht klar, welche Produktkategorie sie oder er im Sinn hat. Daher werden unter den Ergebnissen sowohl Düfte als auch Make-up-Artikel sein.

Ohne Abhängigkeiten in deiner Facettennavigation erscheinen jetzt alle möglichen Filtergruppen, darunter auch Farben. Wenn der Kunde jedoch keine Lippenstifte, sondern Düfte von Armani sucht, sind Farbfilter in dieser Phase der Customer Journey völlig irrelevant und nehmen nur unnötigen Platz ein. Besser ist es deshalb, die Farbfilter und alle anderen Make-up-spezifischen Facetten erst dann anzeigen zu lassen, wenn auf die Kategorie „Make-up“ gefiltert wurde.

Technisch sind solche Abhängigkeiten in wenigen Minuten umsetzbar. Entscheidend ist hier vor allem eine gute Planung und Konzeption. Falls du hierbei Unterstützung benötigst, schreib uns gerne eine Nachricht …

3. Zeige neben Checkboxen auch Grafiken und Slider

Alles, was deine Facettennavigation interaktiver und optisch ansprechender macht, wird sich positiv auf das Nutzererlebnis auswirken. Natürlich sollten Filter aber nur dann auf besondere Weise dargestellt werden, wenn es Sinn ergibt. Best-Practices sind zum Beispiel, die Farbfilter als Kacheln darzustellen und die Marken-Filter als Logos. Hier zwei weitere gelungene Cases:

Facettennavigation bei Medion mit Preisslider

Medion hat einen ansprechenden Preis-Slider realisiert, der Kunden die Eingabe von Werten erspart.

 

Facettennavigation bei Max Pferdekaemper zeigt Fassungen von Leuchtmitteln

Wer im Max-Pferdekaemper-Shop nach Leuchtmittel sucht, erhält alle verfügbaren Fassungen auch als Filter. Kunden können die Fassung ihrer defekten Glühbirne einfach mit diesen Abbildungen vergleichen, um die richtigen Produkte auszusuchen.

4. Richte die Reihenfolge der Facetten auf deine Kunden aus

Wie bei den Produkten gilt auch bei den Filtern: Die relevantesten sollten ganz oben platziert sein. Nach welchen Facetten Kunden bevorzugt filtern, hängt stark vom jeweiligen Produkt ab. Zum Beispiel ist die Bildschirmdiagonale bei Fernsehern und Monitoren eines der wichtigsten Entscheidungskriterien. Hingegen kommt es bei Spiegelreflex-Kameras – obwohl diese auch ein Display haben – auf ganz andere Faktoren an. Deshalb sollte die Facette „Bildschirmdiagonale“ im einen Fall weit oben auftauchen und im anderen weit unten.

Im Backend deiner Such- und Filter-Lösung solltest du alles steuern können, was Sortierung und Reihenfolge der Facetten betrifft. Im Fall von FACT-Finder findest du diese Einstellungen unter Grundeinstellungen > Filter/Navigation > Reihenfolge. Dort lassen sich die Facetten einfach per Drag-and-Drop verschieben:

 

Facettennavigation konfigurieren in FACT-FinderFacetten-Steuerung im User-Interface von FACT-Finder.

Auch wenn du selbst dein Sortiment am besten kennst: Bei der Anordnung der Facettennavigation empfehle ich dir, dich auch am Klickverhalten deiner Kunden zu orientieren. Die Nutzungshäufigkeit der einzelnen Facetten ist ein guter Indikator für die Festlegung der Reihenfolge. Damit richtest du deinen Shop noch genauer auf die Customer Journey deiner Kunden aus und stellst sicher, dass die wichtigsten Elemente auf Anhieb finden.

Welche Facetten und Filter am häufigsten genutzt werden, siehst du in FACT-Finder unter Analytics > Reports.

Unter dem Menüpunkt Statistik kannst du exakt nachvollziehen, welche Filtergruppen (Facetten) und Filterausprägungen mit welcher Häufigkeit geklickt wurden – sowohl die absolute Anzahl als auch die prozentuale Verteilung.

Bisher haben wir von den Facetten, also den Filtergruppen gesprochen. Doch auch die Reihenfolge der einzelnen Filter innerhalb der Facetten ist entscheidend für eine gute Orientierung.

Grundsätzlich gibt es hierzu zwei bewährte Varianten: Zum einen die alphabetische bzw. numerische Auflistung und zum anderen die Sortierung nach Treffermenge – sprich die Anzahl an Produktergebnissen, die übrig bleibt, wenn der jeweilige Filter aktiviert wird.

Die Entscheidung, was von beidem mehr Sinn ergibt, ist nicht immer einfach. Während bei Markenfiltern eindeutig die alphabetische Sortierung am einfachsten ist, kann bei Farben beides denkbar sein. In jedem Fall zeigen unsere Erfahrungen aus dem Consulting: Sobald innerhalb einer Facette mehr als sechs Filter angezeigt werden, lohnt es sich eine alphabetische Sortierung in Erwägung zu ziehen. Im Fall von Größenangaben entsprechend dann die numerische Sortierung.

5. Optimiere deine Facettennavigation für mobile Endgeräte

Weltweit werden heute knapp 60% der Online-Bestellungen über mobile Endgeräte getätigt. Für die meisten Shops zählt daher zurecht die Maxime „Mobile First“.

Je kleiner das Display, desto wichtiger ist es, dass auf Anhieb die richtigen Inhalte erscheinen. Bezogen auf deine Facettennavigation ist es deshalb sinnvoll, dass du sie in der Mobile-Version reduzierst. Ein bewährter Richtwert sind fünf bis sieben Facetten pro Suchergebnisseite bzw. Kategorieseite. Darüber hinaus sollte sich die Mobile-Seite nicht nach jeder einzelnen Filterauswahl neu laden. Denn je nach Aufenthaltsort und Datenübertragungsrate kann das unnötig Zeit kosten. Im Gegensatz zur Desktop-Version sollten Kunden erst alle gewünschten Filter anklicken und dann mit einem „Anwenden“-Button aktivieren können.

Ein Erfolgsbeispiel in Sachen Mobile-Optimierung ist Ahrens+Sieberz. Der Gartenshop erreichte nach dem Relaunch seines Shops und durch die Integration einer neuen Suche ein Umsatzplus von 125%.

Facettennavigation im Mobile-Shop von AS-Garten

Mobile-Shop von Ahrens+Sieberz. Auf den Suchergebnisseiten lassen sich die wichtigsten kaufrelevanten Filter ausklappen – zum Beispiel Preis, Farbe und Blütezeit.

6. Nutze Filter auch zur Inspiration und Beratung

Grundsätzlich sind Filter dazu da, ein umfangreiches und vielfältiges Suchergebnis sinnvoll einzugrenzen. Sie können aber auch dazu eingesetzt werden, Kunden zu inspirieren. Zum einen, indem sie etwa beim Notebook-Kauf an wichtige Kriterien wie Festplatte, Arbeitsspeicher etc. erinnern, an die der Kunde vielleicht noch nicht gedacht hat. Und zum anderen durch gezielte Verkaufsführung anhand von Fragen – sogenanntes Guided Selling.

Hinter Guided Selling stecken technisch gesehen keine Filter, sondern FACT-Finder Beraterkampagnen. Für den Kunden ist das Erlebnis aber ganz ähnlich, da die Ergebnisliste mit jedem Klick übersichtlicher wird. Ein wichtiger Unterschied: Um die Ergebnisse zu verfeinern, muss man sich nicht auskennen. Stattdessen werden bei Guided Selling die Fragen so formuliert, als wäre der Online-Shop ein Verkäufer. Am Beispiel bedeutet das: Wer einen Fernseher sucht, wird nicht nach der Angabe der Bildschirmgröße gefragt, sondern nach dem ungefähren Abstand von Sitzposition zu Fernseher.

Auch Poco hat Guided Selling im Shop umgesetzt:

Shopsuche als Berater (Guided Selling)

Guided Selling bringt Kunden durch hilfreiche Fragen zum richtigen Ergebnis.

7. Lasse deine Suchfunktion automatisch die richtigen Filter setzen

Zu guter Letzt möchte ich dir einen Tipp mitgeben, der nicht direkt mit der Darstellung von Facetten und Filtern zu tun hat, sondern mit der Intelligenz deiner Shopsuche: Wenn deine Suche Attribute in den Suchanfragen erkennen kann, brauchen deine Kunden keine Filter zu klicken. Natürlich funktioniert das nur bei Mehrwortanfragen, nicht bei generischen Suchen wie „Schuhe“ oder „Notebook“. Doch gerade bei Long-Tail-Suchanfragen ist die automatische Attribut-Erkennung eine wertvolle Hilfe und kann die Customer Journey beschleunigen. Zudem fühlen sich deine Kunden noch besser verstanden.

Hier ein Best-Practice-Case aus der Modebranche:

Facettennavigation - Suche von Walbusch erkennt automatisch Filterattribute

Die Suche von Walbusch erkennt Produktattribute in den Sucheingaben und aktiviert die entsprechenden Filter automatisch für den Kunden.

Im Anwenderbericht mit Walbusch berichtet Daniela Göd, Online-Produktmanagerin bei Walbusch:

„Kunden suchen häufig auch recht spezifisch nach einem Hemd in einer ganz bestimmten Größe oder Farbe. Deshalb haben wir gemeinsam mit FACT-Finder ein Feature realisiert, das automatisch die passenden Filter setzt, wenn Attribute in der Sucheingabe auftauchen. Der Kunde erhält damit eine Ergebnisseite, die genau zu seinem Kaufwunsch passt. Und das steigert die Usability enorm.“

 

Hier liest du den kompletten Anwenderbericht:

Checkliste: Alle Tipps zur Facettennavigation in der Übersicht

Ich würde mich freuen, wenn du den ein oder anderen neuen Tipp mitnehmen konntest. Falls du Fragen zum Beitrag oder konkret zur Optimierung deiner Facettennavigation hast, schreib mir gerne hier …

Alle angesprochenen Punkte findest du nochmal im Folgenden in Kurzform:

1. Vereinheitliche deine Produktdaten
Indem du Farben auf ihre Grundfarben herunterbrichst und Maßeinheiten normalisierst, legst du den Grundstein für eine Facettennavigation ohne Redundanzen.

2. Schaffe mehr Übersichtlichkeit durch logische Abhängigkeiten
Wenn du ein breites Sortiment hast, kannst du Kunden zunächst eine Vorauswahl treffen lassen, bevor du die ganz spezifischen Filter zeigst.

3. Zeige neben Checkboxen auch Slider und Grafiken
Es gibt viele Möglichkeiten, Filter noch klarer und ansprechender zu zeigen. Zumindest bei Farben und Preisen sollte es eine Überlegung wert sein.

4. Richte die Reihenfolge der Facetten auf deine Kunden aus
Um die beste Sortierung der Facetten zu finden, solltest du das Nutzerverhalten analysieren.

5. Optimiere deine Facettennavigation für mobile Endgeräte
Ein Punkt, der noch häufig vernachlässigt wird, aber damit große Chancen bietet, sich von Marktbegleitern abzuheben.

6. Nutze Filter auch zur Inspiration und Beratung
Guided Selling kann deine Facettennavigation sehr gut ergänzen – besonders in erklärungsbedürftigen Sortimenten.

7. Lasse deine Suchfunktion automatisch die richtigen Filter setzen
Wenn deine Shopsuche das Filtern selbst übernehmen kann, ist das der Königsweg 🙂.

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Über den Autor

Samantha Wettach ist eCommerce Consultant bei FACT-Finder. Während ihrer mehrjährigen Laufbahn als Account Managerin bei IBM betreute sie namhafte B2B-Kunden aus dem Groß- und Einzelhandel. Zusätzlich verfügt Samantha über internationale Erfahrung und weitreichende Branchen-Insights im Bereich Mode und Lifestyle, die sie heute bei der Beratung erfolgreicher Unternehmen einbringt – darunter Christ Juweliere und Uhrmacher, Ulla Popken und Holy Fashion Group. Auf der B2B Digital Masters Convention 2019 hielt sie die Masterclass „Shop-Traffic in Umsatz verwandeln: Die perfekte Customer Journey im B2B.“

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